Samarkand
Schrein von Imam al-Bukhari
Zwölf Kilometer nördlich von Samarkand steht der kürzlich renovierte Schreinkomplex des islamischen Heiligen Muhammad Ibn Ismail al-Bukhari aus dem 9. Jahrhundert. Er wurde 810 n. Chr. in Buchara geboren, pilgerte als Teenager nach Mekka, lebte dort zwölf Jahre und bereiste anschließend die muslimische Welt, um Hadithe, die traditionellen Aussprüche des Propheten Mohammed. Fast 3000 davon wurden in einem Buch mit dem Titel Al-Jami al-Sahih, die von vielen Sunniten als die maßgeblichste Hadith-Sammlung und als ein nach dem Koran zweitwichtigstes religiöses Buch angesehen wird. Al-Bukhari starb im Jahr 870 und sein Grab wurde zu einem berühmten Wallfahrtsort für Muslime in ganz Zentralasien.
Das Grab des Propheten Daniel
Am Rande des staubigen Samarkand, inmitten sanfter Hügel und gesäumt von einem ruhigen Bach, ist das Grab des Propheten Daniel ein vielbesuchtes Heiligtum für islamische, christliche und jüdische Pilger. Die Krypta, die im Volksmund als Mausoleum von Khodja Daniar bekannt ist, soll den Arm des Propheten Daniel enthalten. Lokalen Legenden zufolge wurde diese antike Reliquie vom Kriegerkönig Tamerlan nach Samarkand gebracht, nachdem er sie aus Mekka gestohlen hatte. Die Krypta ist über 18 Meter lang und damit viel größer als für einen einfachen Armknochen nötig. Sie wird durch eine kuriose Legende erklärt, der zufolge der Armknochen auf wundersame Weise mit jedem Jahr größer wird.
Shahr-i-Zindar
Eine weitere wichtige Pilgerstätte in Samarkand ist Shahr-i-Zindar, ein Mausoleumkomplex aus dem 7. Jahrhundert. Shahr-i-Zindar steht für „Der lebende König“ und bezeichnet das Grab von Qusam ibn Abbas, einem Cousin des Propheten Mohammed, der den Islam im Jahr 676 als Erster in Zentralasien eingeführt haben soll. Unter den Abbasiden wurde sein Grab verehrt und der Legende nach starb er nicht, daher der Name „Der lebende König“. Laut Ibn Battuta, dem großen islamischen Reisenden des 14. Jahrhunderts, war das Heiligtum so berühmt, dass es während der Mongoleneinfälle nicht zerstört wurde. Heute ist das Heiligtum stark verfallen, wird aber immer noch täglich von vielen Hundert Pilgern besucht. Andere Gräber in der Nähe, die größtenteils aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen, gehören der Familie und Freunden von Tamerlan und Ulugh Beg. In der Region Samarkand gibt es zwei weitere Pilgerstätten namens Khodja Abdi Darun und Chupan Ata.

Martin Gray ist ein Kulturanthropologe, Autor und Fotograf, der sich auf die Erforschung von Pilgertraditionen und heiligen Stätten auf der ganzen Welt spezialisiert hat. Im Laufe von 40 Jahren hat er mehr als 2000 Pilgerorte in 160 Ländern besucht. Der Weltpilgerführer Bei saintsites.com handelt es sich um die umfassendste Informationsquelle zu diesem Thema.



