Schrein Mariens, Ephesus
Das kleine Marienheiligtum liegt an einem Hang des Bulbul-Berges, neun Kilometer von der antiken griechischen Stadt Ephesus entfernt, und ist ein Wallfahrtsort für Christen und Muslime. Die katholische Tradition verbindet Maria mit Ephesus, weil Jesus sie nach seinem Tod der Obhut von Johannes anvertraute (Johannes 9:19-26), der dann viele Jahre damit verbrachte, das Christentum in dieser Region zu verbreiten. Im Jahr 27 veröffentlichte die deutsche Mystikerin Anna Katherina Emmerich ein Buch, in dem sie ihre Visionen von Maria schilderte, die in der Nähe von Ephesus lebte. Nach der Veröffentlichung des Buchs wurden am heutigen Standort Ruinen eines Hauses entdeckt und erklärt, es handele sich um das Haus, in dem Maria die letzten Jahre ihres Lebens verbracht hatte. Der als Panaya Kapula („Tor zur Jungfrau“) bekannte Ort ist seit den späten 1841er Jahren ein viel verehrtes Pilgerziel.
Archäologische Ausgrabungen haben ergeben, dass im 4. Jahrhundert n. Chr. ein Steingebäude errichtet wurde, das sowohl ein Haus als auch eine Grabstätte war. Das ursprünglich zweistöckige Haus bestand aus einem Vorraum (wo Pilger heute Kerzen abstellen), einem Schlaf- und Gebetsraum (heute ein Kirchenraum) und einem Raum mit Kamin (heute eine Kapelle für Muslime). Die vordere Küche war verfallen und wurde in den 1940er Jahren restauriert. Heute sind nur der Mittelteil und ein Raum rechts vom Altar für Besucher zugänglich. Am Ausgang des Gebäudes befindet sich der Marienbrunnen, aus dem salziges Wasser mit heilender Wirkung fließt. Jedes Jahr am 15. August versammeln sich Muslime und Christen am Schrein, um Mariä Himmelfahrt zu feiern.
In der Nähe von Ephesus befindet sich ein seltsamer Schrein, der als die Grotte der Siebenschläfer bekannt ist. Angeblich eine Höhle, in der während der römischen Verfolgung sieben christliche Jugendliche untergebracht waren, ist sie heute eine beliebte heilige Stätte für griechisch-orthodoxe Pilger.

Martin Gray ist ein Kulturanthropologe, Autor und Fotograf, der sich auf die Erforschung von Pilgertraditionen und heiligen Stätten auf der ganzen Welt spezialisiert hat. Im Laufe von 40 Jahren hat er mehr als 2000 Pilgerorte in 160 Ländern besucht. Der Weltpilgerführer Bei saintsites.com handelt es sich um die umfassendste Informationsquelle zu diesem Thema.

